Wilder Südwesten

Autor: Philipp Frankfurter (Seite 1 von 4)

Übersetzungsfehler, Missverständnisse oder schlicht Propaganda?

Als stolzer neuer Besitzer einer Stanley Classic Camp Mug lese ich doch erst einmal die Gebrauchsanleitung. Da steht zu Pflege und Gebrauch „Befüllen Sie die Flasche nicht mit heißer Flüssigkeit.“ Interessant, ist es doch ein Thermobecher. Also gehen wir zum Englischen über. Da steht „Do not overfill with hot liquids.“ (ähnliches auch im französischen Teil). Aha, gemeint ist „nicht zu voll machen“ oder so. Alles klar, schlampig übersetzt, typisch Gebrauchsanleitung, kleines Gelächter erlaubt.

Gehen wir jetzt mal zu CBS 60 Minutes Sendung zu Internet und Deutschland (kann man googeln). Was sagt z.B. Gunter Frank in Achgut dazu: „Man sieht kichernde, feixende, übereifrige Beamte, die sich über ihre Delinquenten lustig machen. Sie merken gar nicht, wie sie von der amerikanischen Journalistin in souverän professioneller Weise vorgeführt werden. Man sieht den hässlichen Deutschen, so wie man ihn in ausländischen Filmen über die Nazizeit bewundern kann. Doch diesmal nicht als Schauspieler, sondern in echt.

Oh weh, das sitzt, aber halt, was hören wir in der Quelle? Den Rahmen setzt die Anmoderation und der Schluss, aber auch der Titel ist aufschlussreich: „Policing the internet in Germany, where hate speech, insults are a crime“.  Und jetzt aus der Anmoderation (meine Transkription): „… lies and harrasment have unfortunately become the norm online… in the United States most of what anyone says, sends or streams online, even if it is hateful or toxic, is protected by the first amendment as free speech. But Germany is bringing some civility to the World Wide Web…” danach folgen u.a. Interviews mit Staatsanwälten, die erklären, wie im deutschen Recht zwischen Meinungsfreiheit und Beleidigung etc. abgewogen wird. Und in der Abmoderation hört man folgendes „.. but in Lower Saxony prosecutors argue they are protecting democracy and discourse by introducing a touch of German Order to the unruly World Wide Web..”.

Da hat Gunter Frank aber wohl schon abgeschaltet, sonst kämen er und auch andere möglicherweise eher auf Krawall Gestrickte nicht zu ihren Interpretationen.

Das sieht nicht nach schlampiger Übersetzung aus, auch nicht nach Missverständnis, sondern erscheint schlicht Propaganda wie aus dem Lehrbuch: nehme eine Aussage und stopfe sie umgedreht dem Anderen ins Maul.

Gemach, das wird hier kein Bashing konservativ sich nennender Publizisten. Es geht auch andersherum. Nehmen wir die vielzitierte Rede von Vizepräsident Vance in München. Überschrift des Spiegel (online): „J.D. Vance rät deutschen Parteien zur Zusammenarbeit mit der AfD – Die Rede des US-Vize auf der Münchner Sicherheitskonferenz wird mit Spannung erwartet. In einem Interview kritisiert Vance vorab seine europäischen Partner und rät zu Koalitionen mit Rechts-außen-Parteien.“

Gut dann quälen wir uns selbst, schauen die Rede im Web an und …. hören nicht das , was der Spiegel schreibt. Aber man kann sich ja auch verhören. Also Chatgpt gequält und in mindestens fünf Stufen versucht, so etwas wie „Zusammenarbeit“ oder „Kooperation“ aus der Rede heraus- besser gesagt hineinzuinterpretieren. Nicht möglich, nichts gefunden. Ausser folgender Stelle: „Now again, we don’t have to agree with everything or anything that people say, but when people represent, when political leaders represent an important constituency, it is incumbent upon us to at least participate in dialogue with them.”

Dazu gibt es ein berühmtes Zitat, das wechselweise Voltaire oder Friedrich dem Großen oder beiden zugeschrieben wird. „Ich missbillige, was du sagst, aber ich werde bis zum Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen“ (laut Internet soll es tatsächlich von Evelyn Beatrice Hall stammen – The Life of Voltaire, 1903).

Zurück zum Spiegel und Achgut; an welcher lichterloh brennenden Schnapsfabrik mit angrenzender Haschplantage fahren so viele neuerdings vorbei, wenn es um das Fertigmachen eines Andersdenkenden geht? Liebe Leute, wenn die Quellen zugänglich sind, dann denkt Euch bitte eine bessere Kritik aus. Im übrigen gebe ich gerne zu, eventuell alles falsch verstanden zu haben. Dann lass uns darüber streiten.

 

Habeckland sei Dank

Da kommt sie, die Stromrechnung. Dahin geht mein Sparbuch. War doch alles so gut ausgedacht. Zum Leben reicht es. Das Sparbuch schön fett fürs Altersheim und einmal im Jahr 250g Jamaika Blue Mountain Kaffee. Weder das eine, noch das andere wird sein. In Habecks Land ist Licht und Lust verpönt, im Dunkeln läßt sich gut munkeln und die Hemden müssen nur einmal in der Woche gewaschen werden. Das stinkt, nicht nur mir. Habeck wir danken’s Dir, aber nicht von Herzen.

Trümmerwörter-wiederauferstehung

Gleich nach dem großen unvaterländischen Krieg, lag nur weniges nicht in Trümmern. So auch die Sprache, sie lag zerfleddert herum. Vormals große Worte verschwunden, verschollen, vermisst: Ehre, Freude, Frieden, Vaterland, Bewegung, Aufmarsch, Partei. Und erst die Musik: Fanfaren beim Teufel, schwelgende Akkorde vergiftet, himmlische Gesänge verdampft in der Hölle.
Was erst wie Ersatzsprache oder Kleinmusik erschien, die Lakonie der Erschöpfung à la Hemingway oder der modernen Klassik, eröffnete einen weiten, großen Horizont durch den die Wirklichkeit ungefiltert durch Wortbombasmen und Fanfarengetöse Leben und Erleben ungeahnt bereicherten.

Die Jahre gingen dahin, die Empfindsamkeit für die toten Bombasmen schwand. Die Untoten kehrten zurück: Bewegung wurde umgefärbt von braun auf rot, Freude zum Freudentaumel der la ola, Klima als Travestie von Vaterland und Ehre, und die Partei, die Partei will immer noch ihr Recht, sei’s links oder rechts.

Die Musik versank in unendlichen Akkorden, es wagnert auf dem Pissoir und im Tatort. Ist Euch der Untergang der Nibelungen denn ganz entgangen?

Zu guter Letzt, wird auch die Geschichte wieder bombastisch. Jede Mitteilung der oberen Heeresleitung, genannt Regierung, wird historisch genannt, ohne den Wortwitz des darin verborgenen Rückwärtsgewendetseins zu erkennen.

Es lebe die Sprache, die Musik und der Witz!
Sie werden uns alle locker überleben.

Das Ende der Betulichkeit

Wenn man ein „Nein“ nicht als Einladung zum Widerspruch sieht (nicht zur Widertat), dann erfährt man sich schnell als „gelöscht“, „gecancelt“, was etwas vielleicht anderes ist als „abgekanzelt zu werden“, obgleich beide die selbe sprachliche Wurzel haben und das Deutsche, wenn man sich so umhört, wahrscheinlich die Sache auch ganz ordentlich trifft.

Wer abgekanzelt ist, dem wurde klar gemacht, wie unwesentlich sein Beitrag zur Situation, zur Sache und überhaupt zur Welt sei. „Sei“, weil nicht immer ein „ist“ zutreffend das Abkanzeln beschreiben muss.

Damit man nicht in solch eine ungemütliche Lage kommt, ereifern sich viele Helfer und Stimmen, einem schon lange vor einem „Nein“, Hinweise auf den rechten Weg, die rechte Sache und die rechte Sprache zu geben (welch eine Gemeinheit der rechten Sprache und das auch noch wenn es ge-recht zugehen sollte). Wobei wir mitten im Morast der Mehrdeutigkeit aller Sprachen und der Lust der Abkanzler sind, sich auf eine einzige Deutigkeit zu werfen und diese dann ganz eindeutig als alleinige Deutung zu vertreten.

Die vielen Stimmen, die unsere Gedankenwelt harmonisieren,  aus der großen Oper des Lebens einen einstimmigen, eintönigen Summsang werden lassen wollen, ähnlich dem betulichen Summen des verzweifelten Vaters, der sein Kind zum Schlafen bringen will, dieses eintönige Gesummse es schläfert uns und die Gesellschaft ein.

Ganz in dem Sinne, wenn wir schon untergehen, dann im Schlaf.

Aufgewacht. Das hatten wir schon öfter, lange vor dem Biedermeier und erst kürzlich jenseits der Mauer und nicht lange davor allerorten.

Aufgewacht. Harmonie ist ein anderes Wort für Langeweile. Noch viel übler: aufgedrückte Harmonie ist Tyrannis pur.

Raus aus den klostermauerendlosschleifenden Gregorianern, weg von den wiederkehrend wiederholenden Meditierern.

Rauf auf den Höllenritt der Klassik, Toben über den kahlen Berg und brüllen „Another Brick in the Wall“. Nicht zuletzt: no satisfaction, denn es geht weiter und sogar besser.

Lasst die Betulichen summsend dahindämmern, ohne die geht es auch. Eigentlich, ohne die geht es besser.

 

Viktoria Reschke oder die neue Alte Welt

Auftritt Barbara Schöneberger bei Harald Schmidt am 20. Mai 1999. Küsschen links, Küsschen rechts, leicht schmachtender Blick Schöneberger und Schmidt.

Kommentar Anja Reschke 9. Februar 2023 „ist das hot… aus heutiger Sicht vielleicht ein bisschen zu hot“.

Reschke Fernsehen: Macht und Sexismus: It’s a match! | ARD Mediathek (Min. 2:50-4:00).

Es ist zwar Karneval und es soll Satire sein, doch es ist bitter ernst gemeint. Schöner kann man die neue Deutsche Kultur nicht beschreiben. Schöneberger und Schmidt „ein bisschen zu hot“. Prüder geht nicht.

Hiermit läuten wir endgültig die neue alte, prüde, bigotte und schlimmere Viktorianische Wende ein. Uns Anja vornedran, Viktoria! Soll sie heißen, von nun an.

Gegeben am Karnevalssonntag des traurigen Jahres 2023.

Philipp Frankfurter

Ach wie hässlich das schmückende Beiwort doch ist

Was heißt Soldatin auf Ukrainisch? Verzweifelt, aber entschlossen: Auch Frauen melden sich zu den Streitkräften, um gegen die russische Aggression zu kämpfen, viele davon sind jung und gebildet. …“* Stop! Halt! Nicht weiterlesen! Mach ich auch nicht! Aber was ist los? Das Beiwort ist los. Goethe, der Meister desselben, dreht sich im Grab herum. Wie denn? Was denn? Nichts Sexistisches kann ich sehen? Na ja, aber abgrundtiefe Doofheit. Erklär mal, gib mal den Oberlehrer. Schau Dir mal die Sache mit „jung“ und „gebildet“ an. Diese Beiwörter sollen, ja was, ausdrücken? Na, ist doch erstaunlich, wenn sich junge gebildete Frauen zum Kriegsdienst melden. Aha, wenn sie alt und ungebildet wären, dann wäre das wohl nicht erstaunlich? Welcher gebildete Mensch, geschweige denn ein weiblicher, geht freiwillig in den Krieg? Aha, da kriecht ein kleines Vorurteil aus dem Beiwort, oder? Heimatverteidigung ist nur was für Ungebildete, oder so oder? Nein, nö, ach so. Ach ja. Und sollen die Omas in den Krieg ziehen oder was? Ich sag‘ Dir was: eine Hölle von Vorurteilen über Krieg, Frauen und das Leben versteckt sich in solchen kleinen hässlichen Beiwörtern. Scheiße! Sag ich doch.
*Gerhard Gnauck in FAZ-net vom 24.5.2022

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Wer glaubt, die Elite stehe auf dem Boden des Grundgesetzes, der möge die offenen Briefe 1 (EMMA) und auch 2  (ZEIT) an den Bundeskanzler lesen und dort nach „Würde“ oder „Menschenwürde“, eventuell auch nach „Freiheit“ suchen. Für Brief 1 ergeben sich 0 (in Worten Null) Treffer, für Brief 2 ein Treffer zu „Freiheit“.

Stattdessen verbreitet insbesondere Reinhard Merkel, Mitautor von Brief 1, sich stetig wiederholend, bei Markus Lanz und in der FAZ Thesen über „Pflichten“ des Staates „Leben zu schützen“ und danach die Verteidigung auszurichten. Wenn die Verteidigung gegen einen Angreifer „zu viele“ Leben koste, müsse man aus Gründen der Rechtsethik zwingend geboten einfach aufgeben (das ist etwas anderes als ergeben). Kurz gesagt, nach ihm gibt es nur die Frage nach „tot oder lebendig“ und schön abzählen wie viele davon.

Aber davon ist in einer freiheitlichen demokratischen Gesellschaft nicht die Rede, das ist bestenfalls nur eine sehr einfach gestrickte akademische Rhetorik. In der Wirklichkeit unserer Demokratie gilt einzig die Frage nach dem „menschenwürdigen Leben“ (Artikel 1,1 GG). Wenn dieses gefährdet ist, muss der Staat, hier die Politik, Abhilfe schaffen. Was die derzeitige russische Regierung zu Hause und anderswo garantiert und durchsetzt ist ein kein menschenwürdiges Leben. Einem solchen Regime darf sich keiner  weder ergeben noch hingeben. Auch der trickreiche Verweis auf Kinder, die nicht selbst entscheiden könnten (wo bleibt das Sorgerecht der Eltern?), den Reinhard Merkel wiederholt anführt, befreit nicht von der „Pflicht“, auch des Staates, Kindern eine menschenwürdige Zukunft zu garantieren. Dazu gehört Freiheit, Freiheit, Freiheit.

Wie selbstgefällig, gottvergessen  und zutiefst traurig muss man sein, um den Freiheitskampf der Ukraine mit derart schiefen, Grundrechte missachtenden, geschönten moralfreien Wendungen zu hintertreiben?

Eine Lanze für die Ingenieure oder über die Deakademisierung des Alltags.

Allenthalben wird auf die Wissenschaft gehört, so sagt die Obrigkeit von sich selbst, auch wenn starke Zweifel bestehen, dass die Obrigkeit zuhören mag, immerhin ist sie ja ganz oben, weit weg vom Leben, diesem ordinären Gewusel.
Ebenso ist die Wissenschaft ganz oben, geruchlos, geschmacklos, aber nicht lautlos. Richtige Krischer sind darunter, die lauthals verkünden, sie verstünden die Welt in ihrer Gänze und nicht nur das, sie hätten auch die Kochrezepte für eine funktionierende Welt. Na ja, das sind dann auch die, meist Kerle, die beim Glühbirnenwechsel der Schlag trifft, von wegens der vergessenen Sicherung. Oder die, welche beim Bohrlochsetzen seitlich von der Leiter fallen, beim Kurzschluss den Papa anrufen oder gar in Tränen ausbrechen.
Und solchen Leuten sollen wir unsere Gesellschaft anvertrauen? Nä! Nicht umsonst gibt es das böse Wort „das ist eine akademische Diskussion“: wohlfeil, wortreich und absolut nutzlos.
Anders die Ingenieure: die müssen Dinge zum Laufen bringen, egal wie. Ihre nächsten Nachbarn sind die Handwerker und die Mütter, die ebenfalls alles, selbst Kinder, zum Laufen bringen. Ok, manchmal sind Väter hilfreich, falls sie wissen, wo der Sicherungskasten ist.
Anders gesagt, etwas „wissenschaftlich zu verstehen“, heißt noch lange nicht, das dann auch zum Laufen zu bringen.
Deshalb liebe Leut, hört der Wissenschaft zu ohne auf sie zu hören. Wenn Ihr ein Problem habt, vom Friedenmachen bis zum Windelnwechseln holt Euch fähige Ingenieure, Handwerker und Mütter, dann klappt das dann auch.

Über das Erhabene

Sagt der Polizist zum Fernsehtäter im Vorabendprogramm beim Abführen: „erheben Sie sich“. Da kräuselt sich die kleine Zehe doch schon etwas. Bei Ihnen nicht? Na warten Sie mal ab, es geht noch besser. Kürzlich „zog sich die Verwaltungsmitarbeiterin zurück“, will sagen sie ging von dannen.
Das gilt nicht nur für die positiven Seiten des grauen Alltäglichen. Wann wurde das letzte mal jemand „gekündigt“? Nichts da, man wird „gefeuert“. Auch klappt etwas nicht mehr, nein, es „scheitert krachend“.
Dieses pseudoaristokratische Stelzdeutsch gepaart aus Groschenromanen und falsch verstandenem Goethe könnte amüsant sein, wenn es nicht so penetrant nach der Überhöhung des Trivialen durch Sprache duften würde.
Falls Sie jetzt aufgewacht sein sollten, hören Sie mal auf  den Adjektivismus , also die krankhafte Fehleinschätzung einer passenden Beschreibung, in den Nachrichten von heute. Ich garantiere Ihnen brutalstmögliche Erbauung.

Armutszeugnis Triage

Dass überhaupt die Frage einer „Triage“, also der Kampf um ein Krankenbett in Deutschland, ernsthaft aufgeworfen werden musste, ist ein Armutszeugnis  für so ein reiches Land.
Rückblende: erinnern wir uns noch an die Notlazarette in China und Großbritannien, die fast über Nacht aus dem Boden gestampft wurden? Ebenso, wie die deutschen Megaimpfzentren, die, bevor man auf drei zählen konnte, aus dem Nichts heraus mit Personal und Instrumenten ausgestattet wurden.
Nicht vergessen sollten wir auch die, wie man sagt, 4.000 mitten in der Pandemie verschwundenen Intensivbetten inklusive Personal.
Und jetzt? Jetzt muss das Bundesverfassungsgericht  auf gesetzlich geregelte Triage drängen, weil Bettenknappheit droht.
Eine Schande ist das.
Aber vielleicht wächst auch Gutes daraus. Vielleicht wird eine nationale Ersatzreserve aufgebaut, mit der die verschollenen 4.000 Intensivbetten im Falle der Not schnell reaktiviert werden können?
Was glauben Sie, schaffen wir das?

Philipp Frankfurter

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