Wilder Südwesten

Autor: Philipp Frankfurter (Seite 1 von 2)

Anno 1421

Es begab sich am Abend des St. Magdalenentags im Jahre 1421 zum Dom in Mainz als die Gemeinde tief in Rosenkränzen versunken unverhofft im Finstern saß. Alle Kerzen mit  einem Male erloschen. Ein vielstimmiges Ahhh erscholl, ein Zeichen Gottes! Der Hauch des Heiligen Geistes hatte die Kerzen gelöscht! Laut wurde Gott für dieses Wunder gepriesen. Als von hinten die sonore Stimme des Küsters rief „mach die Deer zu s‘zieht“.

Am nächsten Tag ward der Scheiterhaufen gerichtet und der vorwitzige Küster ins verdiente Jenseits befördert. Bis heute wird seiner Blasphemie an jedem St. Magdalenentag mit Schaudern gedacht.

Was, fragt der sich modern dünkende Mensch, war in die Leute in Mainz nur gefahren? Nichts besonderes, antwortet die zeitgenössische Psychologie. Es ist das dunkle, mysteriöse, das uns anstelle des alltäglichen „es zieht“ in seinen Bann schlägt.
Ist ja gut für spannende Geschichten. Weniger gut, um mit wirklichen Dingen, wie ausgepustete Kerzen vernünftig umzugehen.

Es passt uns nicht, wenn Leute wie der Küster unsere schönen Geschichten zerstören. Dann werden wir fuchsig. Wenn einer etwas von wiederkehrenden Überflutungen über Jahrhunderte anmerkt oder den Unrat in den Dörfern des 19. Jahrhunderts mit den geschleckten Gehsteigen des 21. Jahrhunderts vergleichen mag.

Aus Umweltschutzgründen zünden wir heute keinen Scheiterhaufen mehr an, aber wir entfachen dafür einen veritablen Shitstorm, der seinesgleichen sucht und noch jeden Küster erledigt hat.

Deshalb ist auch heute Vorsicht geboten, das zu Offensichtliche, Einfache oder Naheliegende zu sagen, wenn es stattdessen eine wunderbare, mystische, gottgleiche fabelhafte Geschichte gibt.
Philipp Frankfurter

Trennungsschmerz

Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, haben Drosten, Streeck und ein zwei andere interessanterweise gleichzeitig die Scheidung eingereicht. Schaut man nach, von wem sie sich scheiden lassen wollen, taucht immer nur ein Name auf: Corona. Ob es sich dabei um ein und die selbe Person handelt oder nur eine Namensverwechslung vorliegt, sei dahingestellt. Mit ziemlicher Sicherheit kann man vermuten, es handelt sich nicht um Vielmännerei.
Die Scheidungsgründe sind offensichtlich. Man hat sich auseinandergelebt. So ernsthafte Männer wie Drosten und Streeck, haben in ihrem Leben noch etwas anderes vor, als das halbseidene Leben auf dem Covidboulevard.
Als Termin wird der 26. September genannt, aber das ist wirklich reine Spekulation.
Auch von Corona hört man, dass diese des Boulevards genug habe und gerne  wieder mutierend Marodieren gehen wolle. Nur Lauterbach  und Wieler zeigen offen Trennungsschmerz. Sie sind Corona verfallen. Mehrere renommierte Suchtexperten haben schon ihre eigennützige Hilfe angeboten. Ich habe da meine Zweifel ob deren Erfolg, insbesondere, weil eine ganze Kohorte inkompetenzlerischer Politikumtreiber und Verwalterinnen, ebenfalls der süßen Frucht des ewigen Herrschens durch Angst anheimgefallen sind.
Ich für meinen Teil bin da ganz schmerzfrei. Ich lasse unverzüglich ab von Cornitis und Statistizitis à la A, wie Achse des Guten bis Z, wie ZDF. Zusammen mit zwei guten Freunden habe ich beschlossen von nun an wieder zu leben. Deshalb ist hier Ende, weil ich noch MauMau spielen will und das sehr lange, so Gott will.
Philipp Frankfurter

Möchtegerndiktatoren*

Aus der Pfalz kommt nur Gutes. Zum Beispiel Ketchup à la Heinz. Gelegentlich gibt es auch Ausreißer. Der neueste Heinz gehört dazu. Er reiht sich schamlos in die Riege der vielen Möchtegerndiktatoren* aus Wissenschaft und Medien ein. Hervorgetan hat er sich durch interessante Vorstellungen über grundgesetzliche Freiheiten (und das in der Pfalz, einer der Wiegen der deutschen Demokratie). Wobei er selber kein Vorbild hinsichtlich des Aufbaus von Teststationen in der Pfalz ist. Haben Sie in diesem Zusammenhang schon mal gezählt, wie oft Wissenschaftlerinnen und Medienschreiber das Wort „müssen“, immer auf andere bezogen, verwenden?
Ich finde das schon krankhaft, dieses anderen Vorschreiben zu wollen, was sie tun und lassen sollen. Zugleich scheuen Wissenschaftler und Schreiber das harte Brot der Politik, wo man um Zustimmung wirbt und sie selten genug  bekommt, weil andere auch gute Ideen haben. Gut so. Wo kämen wir hin, wenn sich meine beschränkte Weltsicht durchsetzen sollte? In die Klinik wahrscheinlich. Vielleicht sollte sich der neue Heinz mal dorthin zurückziehen. Bedauerlicherweise, so sehe ich das, ist er ein medizinisch hoffnungsloser Fall. Ein palliativer Undemokrat. Punkt.

Philipp Frankfurter
* unser neuer Heinz: https://www.sueddeutsche.de/politik/corona-aktuell-reisen-impfen-1.5342284

Das 60 Millionen Casting

Was meinen Sie, darf man Stellenbewerber auf Fachkunde, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit usw. durchleuchten? Wenn nein, haben Sie vergessen, wie das  mit den Fachidioten, den Psychopathen in Führungsetagen, den diebischen Elstern im Verkauf oft genug schief ging und weiterhin geht? Ich zumindest wurde immer scharf ausgeleuchtet, streng beäugt und auf Herz und Nieren geprüft, wenn ich mich mal zu bewerben traute.
Tolle Vorstellungen, was man auf einer Stelle alles machen kann, haben viele, doch, selten genug, passen nur wenige als Person auf einen Posten, sei es im Reinigungsdienst oder in einer Machtzentrale.
Und da wären wir beim Thema, wie Sie wahrscheinlich schon bemerkt haben. Drei bewerben sich um den Job in Deutschlands Machtzentrale genannt Bundesregierung . Ob es einer davon wird, dazu hat die Jury, genannt Wahlvolk, das Entscheidende zu sagen, obwohl der eine oder die andere Bewerberin, das nicht wahrhaben mag.
Also, lost geht’s:  Man reibt sich die Augen und will es gar nicht glauben, mitten in einem Deltaausbruch findet das größte öffentliche Casting in Deutschland statt. Deutschland sucht, ja was denn? Geraten? Ja! Den Super Star der Politik: wer wird Kanzler der Republik? Die Jury ist multi-multi besetzt: 60.000.000 Sie und ichs, ja wir, das Wahlvolk sind die Jury. Die ersten Re-calls sind durch, viele haben es nicht in die Endrunde geschafft. Aber sie sind alle noch jung und werden sicher beim nächsten Mal wieder dabei sein.
Die Kandidaten treten jetzt für die Endrunde auf die Bühne, im Seitengang schielt deren Clan ängstlich auf den Auftritt. Künstlicher Jubel braust auf, bezahlte, bestellte und ungebetene Claque kreischen, Marktschreier preisen die Kandidaten an. Bezahlte oder überzeugte Buher pfeifen dagegen. Es ist ein tolles Spektakel.
Leider ist die Jury, wir, das Wahlvolk, hellwach und unbestechlich, zumindest die große Mehrheit, und auf die kommt es schließlich an. Schärfer als Bohlen in seinen besten Tagen durchleuchtet sie die Kandidaten. Jeder falsche Halbton wird registriert. Wer an unser Geld will, fällt durch. Wer im Strafraum die Schwalbe macht, bekommt die gelbe Karte. Wer zuerst zuckt, hat verloren. Die sogenannten Programme, also die Beruhigungspillen für die eigene Truppe, interessieren diese Jury nicht. Du, der oder die Du vor uns stehst, wer bist Du? Können wir Dir trauen? Wirst Du uns verraten? Hast Du früher Deine Freunde verkauft? Wie oft den Partner der Karriere wegen gewechselt? Schon mal gescheitert und wieder aufgestanden? Bist Du ein Mensch oder eine Marionette?
Wir, das Wahlvolk, verschwören uns nicht gegen Dich. Wir sehen Dich, wir hören Dich, wir sprechen untereinander über Dich, aber wir verschwören uns nicht gegen Dich. Wir haben keine Hinterzimmer, so wie Du. Wir bilden keine Intrigantenklüngel, um Dich abzusägen. Das gehört möglicherweise zu Deinem Alltag, aber nicht zu uns. Wir sind unbestechlich, meistens.
Deshalb beschwere Dich nicht, wenn wir jeden Stein umdrehen, wenn wir mehr von Dir wissen wollen, als von einer Stellenbewerberin im Reinigungsfach. Du hast es in der größten Castinghow des Landes in die Endrunde gebracht. Jetzt mußt Du zeigen,  was Du kannst und wer Du bist!

Philipp Frankfurter

Die kleine Rassistin im deutschen Feature

Vor der Hitze fliehend, Ruhe suchend auf der Couch, von einem Feature zum anderen über Kontinente gleitend, betulich durch wilde Landschaften geführt, drohnenmäßig von Luftaufnahmen überwältigt, huch, wer ist denn da? Die kleine Rassistin aus dem Feuilleton meldet sich. Wie denn, was denn? Rassismus im deutschen, öffentlich rechtlichen Feuilleton? Na ja, was würden Sie über folgende Sequenz sagen: „Heinrich Müller verkauft im ICE Kaffee und Snacks von der Minibar an Reisende. Er ernährt damit seine Familie.“*  Wie bitte? Was für eine merkwürdige Feststellung! Nicht so im Standardfeature über Afrika, Südamerika oder Asien  „Mit dem Zug durch Sri Lanka“.* Ist doch klar, dass man aussprechen muss, wie die Leute dort von der Hand in den Mund leben und der Kleinunternehmer N. mit der Lizenz zum Snackverkauf im Zug seine Familie ernährt. Oder, Ruanda, die Leute dort holen nicht nur Methan aus einem See, der möglicherweise demnächst in die Luft fliegt, nein, sie haben auch ein Torfkraftwerk gebaut, worüber der deutsche Fachmann „nur den Kopf schütteln kann“. ** Welch eine Umweltsünde, sagt der Mann aus dem Land der Braunkohlekraftwerke.  Natürlich gibt es auch positiven Kleinrassismus im deutschen Feature. Herrlich, zum Beispiel, die Lobpreisungen asiatischen Geschäftssinnes (ist das wirklich ein Lob)?
Dazu kommt das ganze mit einer Betulichkeit daher, neben der Courths-Mahler eine reißerische Schriftstellerin ist. Verbunden ist das mit einem beständigen an-der-Scholle-festhalten, jede Veränderung ablehnend (in Ecuador soll es sozialen Wandel geben, weil das Internet auch in entlegene Gegenden kommt).
Dieses unterschwellige Beträufeln mit betulichen von oben herab Sanella-Bildern und Heimattönen, das ist der kleine tägliche Rassismus im deutschen Feature (die BBC ist noch ärgerlicher). Er  versperrt den Blick auf die Menschen, ihre Visionen, ihre Ziele, ihre Erfolge. Liebe Leut im Feuilleton lasst das.

Philipp Frankfurter
*Arte, Mit dem Zug durch Sri Lanka, Minute 19:07, https://www.youtube.com/watch?v=NiCHSPPGS50

**SWR2 WissenVulkan-Gas aus dem Kivu-See. Energie-Alternative in Afrika Von Thomas Kruchem. Sendungvom: Dienstag, 22. Juni 2021, 8.30 UhrRedaktion: Gábor Páal. Regie: Thomas Kruchem Produktion: SWR 2021

Fenmine – das Ende der Umfrageforschung?*

Jetzt muss die gesamte Umfrageforschung die Suppe auslöffeln, die ihr Spiegel, Welt und Co. eingebrockt haben. Zur Suppenküche der Umfrageforschung haben wir hier das Notwendige gesagt. Auch zur fraglichen Qualität gewisser sogenannter Institute hier.
Was zuletzt bei den Prognosen für die Wahl in Sachsen-Anhalt daneben ging, hat Jürgen Kaube in der FAZ vom 7. Juni 21 ein „demoskopisches Desaster“ genannt. Die schwache Ausrede läßt der Spiegel von einem Westdeutschen Wahlforscher so formulieren: Ostdeutschland (typischer Wessibegriff) sei halt „einfach ein Sonderfall“hier.
Aus einem Kopf-an-Kopf-Rennen wurde, oh Schreck lass nach, ein Kantersieg. Große Aufregung. Wieso die Aufregung? Wann gab es denn in den letzten Jahren die Prognose eines Kantersieges außer bei Wahlen in Diktaturen?
Mir wenigstens ist aus den letzten Jahren keine bedeutende Wahl in Deutschland oder Amerika erinnerlich, bei der nicht von einem „engen Rennen“ gesprochen wurde. So eng, dass mindestens zwei Parteien so eng miteinander verbunden waren, wie die Köpfe der Fenmine. Und wenn dann das sogenannte Rennen, welch aberwitziger Begriff für die öffentliche Bewerbung um Millionen Stimmen,  anders ausging, wurde ganz leise über die schwierigen Umstände gejammert oder eine Kommission eingesetzt die viele Monate später auch nichts genaues herausfand. Denn, weil die Welt so schwierig, so undurchsichtig geworden sei,  hätte man nicht klar sehen können was da kommt. Früher sei das alles viel klarer gewesen, sagt man. Oder, man plaudert von „self fulfilling prophecy“. Die Wählerschaft hätte auf die Prognosen in letzter Minute noch mal schnell reagiert. Ausreden für mangelnde Qualität gab es schon immer und gibt es immer noch genug, wie Mohler hier 2008 launig  erzählte.
Was soll man da noch sagen? Ist die Umfrageforschung am Ende? Nein, bitte nicht die Hype Wahlumfrage in einen Topf mit demokratienotwendiger Armutsforschung, Bildungsforschung oder Werteforschung und so weiter in einen Topf werfen.
Schauen wir stattdessen mal auf die Kundschaft der Wahlumfragen in unseren Zeiten, wo wie überall gilt: „wer zahlt, sagt an“.
Die Auftraggeber sind Medien. Ganz prominent die Umfragen der öffentlich rechtlichen Anstalten oder die mutmaßlichen Umfragen von Spiegel und Welt. Die zahlen das nicht aus Nächstenliebe, sondern, um damit Geld zu verdienen (ja, auch die Öffentlich Rechtlichen machen Knete über Zuschauerquote, zumindest vor 20 Uhr). Übrigens im Ende sind wir die Kunden, die spannend von den Medien bedient werden wollen und bedient werden. Dafür zahlen wir mit Informationsverlust.
Das war nicht immer so. Vor mehr als einem halben Jahrhundert konnte man auch in Deutschland einen fundamentalen Wandel in der Medienlandschaft beobachten. Bei Nachrichten war bis dahin das emotionslose Verlesen von Neuigkeiten im Stile eines Wasserstandsberichtes der sogenannte Gold Standard. Klassisch die soliden Vorträge der Tagesschau. Heiß her ging es dagegen in den Meinungsspalten. Insgesamt wurde so gut wie möglich zwischen Nachricht und Meinung getrennt. Gelegentlich sogar heftig darüber gestritten.
Aber dann kam Infotainment. Auch die Tagesschau und Heute sollten mit „Unterhaltungswert“ aufgepeppt werden. Das ZDF ersetzte damals seine Sprecher durch „Redakteure im Studio“. Da setzte die ewige Jagd auf die Goldwährung Quote ein. Keine Nachrichtensendung  mehr ohne Mord und Totschlag oder mindestens ein Feuer vor der Wettervorhersage, das gab so schöne Bilder.
Und heute? Werden Themen aufgemotzt mit Direktschaltung in den Brennofen des Lebens, verschämt verbrämt mit kurzen vorgelesenen Nichtigkeiten.
Meint da irgend noch jemand, man könne Tag für Tag eine Sendung oder Zeitung mit der Schlagzeile aufmachen „Adenauer wird die Wahl sicher gewinnen“. Das lesen weder Sie noch ich. Nein, wir lechzen nach Spannung und die verspricht ein Kopf-an-Kopf –Rennen. Spannung bis zum letzten Moment, das wollen wir doch, oder? Wie dämlich müssten die Medien sein, uns nicht das zu liefern, nach dem wir lechzen?
Selbst wenn das mal so deutlich wie in Sachsen-Anhalt in die Hose geht, kann man aus den Ausreden noch eine Menge Geld/Quote holen.
Also, worüber beschweren wir uns? Dass wir bekommen, was wir wollen?
Philipp Frankfurter
*Fenmine – doppelköpfige Drachenfabelwesen auch Amphisbaena genannt

 

Der Lotse bleibt an Bord

Wir haben einen starken Kanzler. Sein Name ist Merkel und nicht Bismarck, auch wenn jetzt manche Kanzler Merkel einen ähnlichen Abgang wünschen. Warum gerade jetzt? Weil sie keine sechs Monate mehr warten können, weil sie Lust auf Königsmord haben, weil sie höchstwahrscheinlich nach ICD 10 klassifizierbar oder einfach Nachschwätzer des Spiegel sind?
Dem Kanzler wird vorgeworfen, bei Corona versagt zu haben. Ebenso seinem Gesundheitsminister. Beide sind mir nicht ungeheuer sympathisch. Jedoch, wie kann man da versagen, wo andere zuständig sind? In Sachen Gesundheit ist der Kanzler ein Feldherr ohne Armee. Wir haben 16 Ministerpräsidenten, die über Gesundheitsarmeen verfügen sollten. Tun sie aber immer noch nicht, seit sie diese abgeschafft haben. So stehen sie jetzt nackt da und jammern. Loyal, wie er ist, lässt der Kanzler die Geizhälse nicht im Regen stehen, greift tief in seine Schatulle, schleppt die Herrschaften an einen Verhandlungstisch, lässt sie dort stundenlang palavern, beschimpft sie nicht, leidet öffentlich und nimmt die Schuld mit einem leichten Zucken auch noch auf sich.
So geht das nicht. Deshalb sie hier der Rücktritt aller Ministerpräsidenten verlangt. Sie haben das Gesundheitssystem geplündert. Sie haben versäumt, über den Bundesrat den Zivilschutz ordentlich zu finanzieren. Sie lassen ihre Gemeinden am langen Arm verhungern. Und sie haben noch viel mehr Unheil mit ihrer Herrschsucht angerichtet.
In diesem Sinne: es lebe der Kanzler und in den Staub mit den bundesländlichen Feinden des Gesundheitssystems.

Philipp Frankfurter

Zum Weltmenschentag 2021

Es geschieht selten, dass ich ein Buch in hohem Bogen in den Papierkorb befördere.  So geschehen vor vielen Monaten mit Sloterdijks Briefroman, dessen Titel unerwähnenswert ist. Als ich an die Stelle „kein Mensch versteht die Frauen“ kam, erfolgte sofort der Abwurf in den Papierkorb. Ein Philosoph, der einen derartigen Denkfehler schreiben kann, ist keiner. Denken Sie mal nach, was dieses Mann da gemacht hat.
Heute dazu mal was in Sachen Sprache. Die Sache mit dem grammatischen und dem „wirklichen“ Geschlecht ist verzwickt. Vor allem aber ur- ur- uralt. Und völlig ungeordnet in Europa, mindestens, was das Mond angeht. Nehmen wir mal an, das „Geschlecht“ wäre amtlich völlig uninteressant, etwa indem dazu nichts mehr in der Geburtsurkunde oder einem Ausweis steht, Vornamen nach Belieben vergeben werden könnten (wenn man die Fingerabdrücke im Ausweis hat, braucht man eigentlich nicht einmal ein Bild, um eine Person eindeutig zu identifizieren). Heiraten, Armee, Geschäft aufmachen? Mindestalter 18, basta.
Und jetzt zur Sprachrevolution:
Natürlich wissen wir alle, wie sehr das grammatische Geschlecht den Spracherwerb behindert, Bildungsschranken aufbaut, Berufschancen mindert. Gehen wir also davon aus, der grammatische Begriff färbe auf die Wirklichkeit heftig ab. Dann muss was gegen diesen Einfluss sprachlich unternommen werden. Wenn wir das so wollen, und viele wollen das, dann sollten wir uns etwa einfallen lassen.
Was uns bisher einfiel sind Reförmchen, nach dem Motto, „ich möchte explizit genannt werden“. Bäcker*innen ist derzeitig wohl aktueller Stand. Möglichst auch hörbar gesprochen. Was ein Umstand. Ein neuer Buchstaben, ein neuer Laut. Geht es auch nicht einfacher?
Wo ist denn das Neutrum geblieben? Keiner spricht vom Neutrum, wenn es um das grammatische Geschlecht geht. Ein weit unterschätzter Begriff. Was kann man damit machen?
Warum schafft keiner das grammatische Geschlecht ab? Man vereinfacht die deutsche Sprache, indem man Feminin und Maskulin abschafft und nur einen Fall, den Nominativfall nutzt, aka N-Fall.
Das wäre doch mal eine echte Sprachreform! Hier ein anderes Text in das zeitgemäße N-Form:
Von jetzt an wird für ein Substantiv, was immer es bedeuten mag,  das N-Fall genutzt. Also: das Bäcker, das Maler, das Mensch, das Chirurg, das Komponist, das Dirigent, das Soziologe, das Mond, das Sonne. Klingt erst mal gruselig? Ach, das ist wie mit Austern, erst mal gruselt man sich, dann schlürft man sie in sich hinein, ohne sich beim * zu verschlucken und so weiter. Außerdem, wenn die Engländer das können, können wir das erst recht. Übrigens, wer die Wörter im Plural nutzt, merkt fast gar nichts ihr lieben Leute.
Philipp Frankfurter

Aach guud – wirklich?

Das Web ist eine wundersame Welt. Unverhofft stößt man auf wundersame Unterwelten. So wie vor einiger Zeit Fanny Tancks „Tanckstelle“ auf Youtube *. Heute mal wieder so etwas: weil nicht jeder auf unseren Blog wartet oder verzweifelt danach sucht, haben wir Werbung gemacht. Zuerst Facebook, dann Google mit interessanten kleinen Erfolgen. Wer unsere Werbung sieht, kann uns anklicken. Das Blogsystem erkennt nun, über welchen Link solche Klicks kommen (wer das ist, bleibt uns zu Recht verborgen). Ein solcher Verlinker ist startpage.com, ein „diskrete“ Suchmaschine, so die Eigenwerbung. Könnte ein Versuch wert sein, wenn ich mal Zeit habe und die Tracker nachmesse. Ein richtiger Hit ist jedoch achgut.com, die „Achse des Guten“ (in Erinnerung an Bushs „Achse des Bösen“), worüber ein paar Dutzend uns gefunden haben. Die haben auch nicht auf uns gewartet – Spoiler: einer der Hauptmacher ist ein gewisser Herr Broder, bei dessen Nennung genau die Richtigen sofort nach Bullrichsalz oder heftigerem greifen. Bisschen herumgestöbert, erscheint mir eine Sternseite zu sein: oben, unten, halblinks, halbrechts, rechts, links, nach vorne, nach hinten einen scharfen Zacken. Eine voll multidimensionale Sache ist das. Wenn die eine dort mir auf den Keks geht, lässt der andere mein Herz aufgehen, selbst wenn die Herrschaften hochbürgerlich gestochenes Bildungsdeutsch reden, wie gerade heute in „Indubio Folge 107“, einem allsonntäglichen Podcast. Das macht den gewöhnlichen Pfälzer leicht unkomod (kann ich auch, das hochgestochene uraltmodische Deutsch). Spoiler II: dieser Podcast kann nicht nebenbei gehört werden.
Damit lasse ich es bewenden, vielleicht machen Fanny und die Achse anderen eine Freude in diesen coronösen Tagen.

Philipp Frankfurter
*https://www.youtube.com/channel/UCeEiUb9cE-Zdhtd23Gh5QHA/featured (bei uns am 3. Dezember 2020)

Coronopoly, das Spiel des Jahres

Das Spiel des Jahres heißt Coronopoly. Ministerpräsidien und Kanzlerin spielen es mit großer Ausdauer auf ihren Mittwochsrunden. Der Innenminister hat Coronopoly als „fast Glücksspiel“ (ab 16 Jahre) eingestuft. Es zeichnet sich durch hohe Dynamik aus. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die völlige Siegerlosigkeit: Keiner kann gewinnen. Unter den Strategiespielen ist es das beste Sorglosigkeitsspiel. Seine wirkmächtigen Wiederholungsschleifen sind bislang unerreicht.
Die Regeln sind sehr einfach:
Würfeln Sie keine 6, sonst kommen Sie in Quarantäne. Würfeln Sie keine 5, sonst kommen Sie in Quarantäne. Würfeln Sie keine 4, sonst kommen Sie in Quarantäne. Würfeln Sie keine 3, sonst kommen Sie in Quarantäne. Würfeln Sie keine 2, sonst kommen Sie in Quarantäne. Würfeln Sie keine 1, sonst werden Sie nach Bayern zwangsumgesiedelt.
Wenn Sie über LOS kommen, erhalten Sie einen Impfpunkt. Mit 10 Impfpunkten brauchen Sie nicht mehr zu würfeln und dürfen gleich nach Bayern einreisen. Wenn Sie auf das Gefängnisfeld fallen, erhalten Sie 10 Minuten kostenloses Lauterbächeln. Finden Sie sich in der Parkallee wieder, sind Sie 10 Jahre von der Steuerflüchtlingssteuer befreit. Fallen Sie in den Graben, müssen Sie zweimal hintereinander eine 6 würfeln, dann holen Sie Drosten & Streek wieder raus. Wer zuerst hustet, hat verloren. Das Spiel endet mit dem letzten Husten.
Die Entwicklung von Coronopoly wurde mit Mitteln des Bundes gefördert.

Philipp Frankfurter

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