Wilder Südwesten

Schlagwort: Editorial

Lasst uns erzählen!

Erzählt wird hier ohne Ende. In loser Reihenfolge werden Autoren und Literaten zu Wort kommen, die ihre ganz eigene Vorstellung davon haben, was Schreiben heute bedeutet, leisten kann, sein muss und, ja, sein darf.

Marcel  Reich-Ranicki sagte mal im  „Literarischen Quartett“, Autoren müssten nicht zwangsläufig über große gesellschaftliche Ereignisse schreiben (es ging um „Ein weites Feld“ von Günter Grass, Thema ist unter anderem die Wiedervereinigung). Sie sollten aber dringlich über ihre Erlebnisse schreiben, das, was sie im Innersten bewege. Alleine durch diese Schilderungen tröpfeln stückchenweise auch wesentliche Informationen über die jeweilige Epoche  durch. Wenn das klappt, ist ein Text gelungen.

Genau darum geht es hier. Auf tausend verschiedene Arten, subtil und knackig-kurz in einer Kurzgeschichte, ausformuliert, gar episch und durch die Brille vieler Akteure in einem Roman, nur angedeutet, symbolisch, geheimnisvoll, oder mit der ganz besonderen Sprache der Lyrik. Alles mit der Absicht, dem Leser etwas zu erzählen. Es gibt nämlich so etwas wie eine Übereinkunft zwischen Leser und Autor, die am Beginn eines Buches steht, und das ist der Vertrauensvorschuss des Lesers, sich nun auf das einzulassen, was der Autor erzählen will.

Enttäuschen wir die Leser also nicht. Beginnen wir zu erzählen.

David Emling

Der Blick durchs Fenster – Editorial

Die Soziologie ist jene Wissenschaft, die den Menschen am ernstesten nimmt. Weil sie am wenigsten über ihn zu sagen hat. Sich am ehesten traut, die Schultern zu zucken und zu sagen: „Keine Ahnung.“ Schon Max Weber wunderte sich, wie so eine Straßenbahn funktioniert und es auch noch schafft, allerlei Menschen zu transportieren. Erving Goffman saß auf den Shetland Inseln in der Hotel-Lobby, sah den Menschen beim Kommunizieren zu, und wunderte sich, dass überhaupt irgendeine Kommunikation funktioniert. Und Niklas Luhmann sprach erst gar nicht mehr vom Menschen, sondern von Kommunikationssituationen, die es zu beschreiben gilt.
Auch wir sind beides Soziologen (aber das spielt ab jetzt keine Rolle mehr), und wollen den Menschen ernst nehmen und fragen: Was wissen wir wirklich? Und was ist nur Gerede? Wir glauben, dass wir mit dem uns eigenen Blick durch die uns eigenen Fenster und Scheuklappen wenig bis nichts erkennen, was in der Welt geschieht. Und dennoch täglich versuchen, das Wenige, was wir wissen können, auch zu finden.
In diesem kritischen und sich zurückhaltenden Sinne lesen Sie hier allerlei darüber, was wir trotz allem versuchen zu verstehen. Und noch mehr, wir schauen auf die, die nicht versuchen zu verstehen, sondern einfach machen – in Politik, Journaille und Wissenschaft.
Ich für meinen Teil kann das, was ich aussagen will, oder genauer – was ich will dass der Leser zwischen den Zeilen selbst herbeiliest – am besten durch literarische Texte ausdrücken. Mein Freund Peter Mohler schafft dies durch Essays. Und unsere Gäste, die wir immer wieder hier begrüßen wollen, auf ihre je eigene Weise.
David Emling

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