Wilder Südwesten

Schlagwort: Scholz

Kiesinger 2.6

 

Es war einmal in einem nahen Land in einer fernen Zeit, als König Kurt-Georg den Thron bestieg. Die Zeit war reif, nicht für Ihn, aber davon ahnte er nichts, Das Reich war offensichtlich gefestigt, alles ging seinen Gang. Bei genauerem Hinsehen ging wenig oder nichts und wenn, dann rückwärts. Der Ansturm von Rock‘n Roll war abgewehrt. Der Schlager summte vor sich hin. Dixieland und Swing kamen zurück als fast Vorkriegsware, so wie König Kurt-Georgs Vorkriegsbiografie vielen nicht auffiel. 

Dann kam ein unerwarteter Wumms. Mädels kreischten sich die Seele aus dem Hals, Jungs tanzten sich ins Delirium, auch ohne Drogen, oft aber mit. Die bleierne Stille des Landes zeriss unter dem Ansturm einer neuen Zeit: die 68er waren geboren. König Kurt-Georg versank in der politischen Versenkung und König Willy wagte mehr Demokratie. Von da an ging es bergauf, lange Zeit.

Es ist einmal heute in einem nahen Land in nicht allzu ferner Zeit, nachdem König Olaf den Thron bestiegen hat. Die Zeit war wieder reif, aber nicht für ihn, davon ahnte er nichts. Das Reich war offensichtlich gefestigt, alles ging seinen  eingeschränkten Gang. Bei genauerem Hinsehen, ging wenig oder nichts und wenn, dann rückwärts. Der Ansturm des finnischen Hard Rock war abgewehrt. Helene Fischer auf dem Weg in die Rente. Die Beatles und ABBA kamen zurück, fast unschuldig, so wie König Olafs Biografie, was nur wenigen auffiel.

Als CSDI wieder auferstand, hörte man schon die Erde beben. Wieder kam ein unerwarteter Wumms, die Jugend warf die bleierne Last der 68er Bibeltexte ab. Die Jungs schrien sich die Freiheitslust aus der Seele, die Mädels taten es ihnen gleich. Ganz ohne Drogen, fast. Die Neue Freiheit war geboren. Die Musik, das Leben, riss sie mit sich und König Olaf in den Untersuchungsausschuss.
Philipp Frankfurter 

Das 60 Millionen Casting

Was meinen Sie, darf man Stellenbewerber auf Fachkunde, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit usw. durchleuchten? Wenn nein, haben Sie vergessen, wie das  mit den Fachidioten, den Psychopathen in Führungsetagen, den diebischen Elstern im Verkauf oft genug schief ging und weiterhin geht? Ich zumindest wurde immer scharf ausgeleuchtet, streng beäugt und auf Herz und Nieren geprüft, wenn ich mich mal zu bewerben traute.
Tolle Vorstellungen, was man auf einer Stelle alles machen kann, haben viele, doch, selten genug, passen nur wenige als Person auf einen Posten, sei es im Reinigungsdienst oder in einer Machtzentrale.
Und da wären wir beim Thema, wie Sie wahrscheinlich schon bemerkt haben. Drei bewerben sich um den Job in Deutschlands Machtzentrale genannt Bundesregierung . Ob es einer davon wird, dazu hat die Jury, genannt Wahlvolk, das Entscheidende zu sagen, obwohl der eine oder die andere Bewerberin, das nicht wahrhaben mag.
Also, lost geht’s:  Man reibt sich die Augen und will es gar nicht glauben, mitten in einem Deltaausbruch findet das größte öffentliche Casting in Deutschland statt. Deutschland sucht, ja was denn? Geraten? Ja! Den Super Star der Politik: wer wird Kanzler der Republik? Die Jury ist multi-multi besetzt: 60.000.000 Sie und ichs, ja wir, das Wahlvolk sind die Jury. Die ersten Re-calls sind durch, viele haben es nicht in die Endrunde geschafft. Aber sie sind alle noch jung und werden sicher beim nächsten Mal wieder dabei sein.
Die Kandidaten treten jetzt für die Endrunde auf die Bühne, im Seitengang schielt deren Clan ängstlich auf den Auftritt. Künstlicher Jubel braust auf, bezahlte, bestellte und ungebetene Claque kreischen, Marktschreier preisen die Kandidaten an. Bezahlte oder überzeugte Buher pfeifen dagegen. Es ist ein tolles Spektakel.
Leider ist die Jury, wir, das Wahlvolk, hellwach und unbestechlich, zumindest die große Mehrheit, und auf die kommt es schließlich an. Schärfer als Bohlen in seinen besten Tagen durchleuchtet sie die Kandidaten. Jeder falsche Halbton wird registriert. Wer an unser Geld will, fällt durch. Wer im Strafraum die Schwalbe macht, bekommt die gelbe Karte. Wer zuerst zuckt, hat verloren. Die sogenannten Programme, also die Beruhigungspillen für die eigene Truppe, interessieren diese Jury nicht. Du, der oder die Du vor uns stehst, wer bist Du? Können wir Dir trauen? Wirst Du uns verraten? Hast Du früher Deine Freunde verkauft? Wie oft den Partner der Karriere wegen gewechselt? Schon mal gescheitert und wieder aufgestanden? Bist Du ein Mensch oder eine Marionette?
Wir, das Wahlvolk, verschwören uns nicht gegen Dich. Wir sehen Dich, wir hören Dich, wir sprechen untereinander über Dich, aber wir verschwören uns nicht gegen Dich. Wir haben keine Hinterzimmer, so wie Du. Wir bilden keine Intrigantenklüngel, um Dich abzusägen. Das gehört möglicherweise zu Deinem Alltag, aber nicht zu uns. Wir sind unbestechlich, meistens.
Deshalb beschwere Dich nicht, wenn wir jeden Stein umdrehen, wenn wir mehr von Dir wissen wollen, als von einer Stellenbewerberin im Reinigungsfach. Du hast es in der größten Castinghow des Landes in die Endrunde gebracht. Jetzt mußt Du zeigen,  was Du kannst und wer Du bist!

Philipp Frankfurter

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