Wilder Südwesten

Schlagwort: Kultur

Herr Noll ich vermisse Sie (und Ihresgleichen)

Als ich aufwuchs, erfuhr ich von einem großen kulturellen Verlust: der Vernichtung des klaren Gedankens. Man gab mir Kristallklares aus der Vergangenheit zu lesen. Knallharte Schriften, die sich auch gegen die Autoren selbst richteten. Humor lugte dazu aus allen Ecken hervor. Kein Respekt vor großen Namen und allem Schall und Rauch, den es allzeit ja zur Genüge gibt. Sie und Ihresgleichen ließen nicht locker, wenn wieder einmal die Logik verbogen wurde.
Verbrannt haben dann die Unsrigen nicht nur Ihre Bücher und Bilder. Vernichtung war das Ziel. Nicht ganz gelungen, gottseidank, außer hierzulande, dem Ursprung des Unheils.
Ein neues Biedermeier hielt Einzug ins unheimelige Haus. Betschwestern und –brüder nickten sich fleißig in ihren Talaren, später Jeans, zu, dabei jeden scharfen Gedanken meidend wie die Pest.
Herr Noll, Sie und die wenigen Ihresgleichen, die noch auf meine unheimelige Heimat mit scharfer Liebe schauen, auch wenn Sie selbst im Exil sind, ich vermisse Sie jeden Tag mehr und mehr.

Peter Ph. Mohler

Noll, Chaim: „Der Rufer aus der Wüste – Wie 16 Merkel-Jahre Deutschland ramponiert haben. Eine Ansage aus dem Exil in Israel“ ist hier im Achgut.com-Shop sofort bestellbar.

 

Institutionen sind nicht resilient

Wo ist die Sowjetunion? Hoechst? Fort und weg und vergessen.  Nicht so die Menschen in der Sowjetunion oder Arbeiter von Hoechst. Sie haben das „Abschalten“ eines Staates oder einer Fabrik überlebt, so wie viele Menschen schwere und schwerste Erlebnisse überleben, weiterleben, sogar vorwärtskommen. Das ist soweit nichts Neues.
Warum erwähne ich das hier und heute? Weil der Lockdown ein Institutionenkiller ersten Grades werden kann, wenn nicht schon ist. Wird es noch mal Martinsumzüge geben? Wird sich nochmal eine Gruppe aufraffen den örtlichen Gesangsverein wiederzubeleben? Findet sich jemand, der die kleine Kneipe übernimmt? Verlieren sich Freundschaften und Bekanntschaften im Coronanirwana?
Und dann die Kultur, das Sparschwein der Politik. Immer wenn man zu viel Geld für Pomp und Unsinn ausgegeben hat, wird an der Kultur gespart. Egal, wie viel Mühe und Kraft es gekostet hat die ganz kleinen, größeren und ganz großen Kulturinstitutionen auf die Beine zu stellen und jahrzehntelang prosperieren zu lassen.
Leute passt auf, das kann ein neuer kultureller Todesreigen werden, nehmt das bitte ernst.
Philipp Frankfurter

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